Das Ambraser Liederbuch
Vorauswahl der Texte
Ambraser Liederbuch
Ausgabe: Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart XII, Hrsg. Joseph Bergmann, 1845
Volltext: http://www.zeno.org/Literatur/M/Anonym/Liederb%C3%BCcher/Das+Ambraser+Liederbuch
Wo sol ich mich hinkehren
Wo sol ich mich hinkehren,
ich tummes brüderlein,
Wie sol ich mich erneren,
mein gut ist vil zu klein,
Als ich ein wesen han,
so mus ich bald davon,
was ich sol hewer verzehren,
das hab ich ferrn verthan.
Ich bin zu frü geboren,
ja wo ich hewr hinkomm,
Mein glück das kümpt erst morgen,
mir ist es heut verthan.
So wünsch ich jr eine gute nacht
So wünsch ich jr eine gute nacht,
zu hundert tausent stunden,
Wenn ich die lieb erst recht betracht,
ist mir mein leid verschwunden.
Wenn ich sie ansich,
so erfrewet sie mich,
sie hat mein herz besessen,
drumm ich jr in dem hertzen hold bin,
und kan ir nit vergessen.
Ohn allen falsch wil ich doch sein,
bis an meins lebens ende,
Gegen der allerliebsten mein,
von der ich mich nicht wende.
Mit seufftzen klag, sich nacht und tag,
mein hertz nach jr thut krencken,
desgleich auch ich hoff, sie werd mich
in jr hertz lieblich sencken.
Doll und töricht und nimmermehr klug
Doll und töricht und nimmermehr klug,
die welt die führt ein thummen mut,
ein jederman, gewalt wil han,
und wenn sie kan, den thut sie schlagen,
Heimlich so schleicht die welt davon,
so hat es denn der niemand gethan,
und fahet gar bald ein ergers an.
So geht spacieren das blinde kind,
und fürt frau Venus umm den ring,
verzehret unnützlich seinen pfenning.
Schein uns du liebe sonne
Schein uns du liebe sonne,
gib uns ein hellen schein,
Schein uns zwey lieb zusammen, ey
die gerne bey einander
wollen sein.
Dort ferne auff jenem berge,
leit sich ein kalter schnee,
Der schnee kan nicht zu schmelzen, ey
denn der Wille
mus ergehn.
Der Wille ist ergangen,
zu schmoltzen so ist uns der schnee,
gesegne euch vater und mutter,
ich sehe euch nimmermehr.
Papirs natur ist rauschen
Papirs natur ist rauschen,
und rauschet wann es wil.
Man kans nicht wol vertauschen,
dann es stets rauschen wil.
Ein schreiber wil ich bleiben,
ein schreiber wil ich sein,
Und thus hiemit verschreiben
der allerliebsten mein.
Damit wil ichs beschliessen,
derselben lobesan,
Obs jemands würd verdriessen,
dem schreiber leit nichts dran.