Das Ambraser Liederbuch

Vorauswahl der Texte

Ambraser Liederbuch (ca. 1578)
Ausgabe: Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart XII, Hrsg. Joseph Bergmann, 1845
Volltext: http://www.zeno.org/Literatur/M/Anonym/Liederb%C3%BCcher/Das+Ambraser+Liederbuch

Wo sol ich mich hinkehren

Wo sol ich mich hinkehren,
ich tummes brüderlein,
Wie sol ich mich erneren,
mein gut ist vil zu klein,

Als ich ein wesen han,
so mus ich bald davon,
was ich sol hewer verzehren,
das hab ich ferrn verthan.

Ich bin zu frü geboren,
ja wo ich hewr hinkomm,
Mein glück das kümpt erst morgen,
mir ist es heut verthan.

Ich bind mein schwert an die seiten,
und mach mich bald darvon.
Hab ich denn nit zu reiten,
zu fussen mus ich gahn.

Es kan nit sein gleich,
ich bin nit alweg reich,
ich mus der zeit erwarten,
bis ich das glück erschleich.

Lieblich hat sich gesellet

Lieblich hat sich gesellet,
mein hertz in kurtzer frist,
zu einer die mir gefellet,
Gott weis wol wer sie ist,
Sie liebet mir gantz inniglich,
die hertz allerliebste mein,
in trewen ich sie mein.

Wol für des meyes blüte,
hab ich mir sie auserkorn,
sie erfrewet mir mein gemüte,
meinen dienst hab ich jr geschworn,
Den wil ich halten stetiglich
mit willen gantz unterthan,
dieweil ich das leben han.

Schein uns du liebe sonne

Schein uns du liebe sonne,
gib uns ein hellen schein,
Schein uns zwey lieb zusammen, ey
die gerne bey einander
wollen sein.

Dort ferne auff jenem berge,
leit sich ein kalter schnee,
Der schnee kan nicht zu schmelzen, ey
denn der Wille
mus ergehn.

Der Wille ist ergangen,
zu schmoltzen so ist uns der schnee,
gesegne euch vater und mutter,
ich sehe euch nimmermehr.

Doll und töricht und nimmermehr klug

Doll und töricht und nimmermehr klug,
die welt die führt ein thummen mut,
ein jederman, gewalt wil han,
und wenn sie kan, den thut sie schlagen,
Heimlich so schleicht die welt davon,
so hat es denn der niemand gethan,
und fahet gar bald ein ergers an.

Ihr gesang ist papo, wer nun, wer do,
weichet aus der strassen, in allen gassen,
so geht herfür, mit scharfer gewehr,
und felt herzu wie ein tolle kuh,
So geht spacieren das blinde kind,
und fürt frau Venus umm den ring,
verzehret unnützlich seinen pfenning.

Die welt kan nit mehr, das acht sie für ein ehr,
mit fressen und sauffen, mit schelten und fluchen,
in dem weinhaus, da leben sie im saus,
mit tantzen und springen, mit pancketieren,
Das kan gar wol die arge welt,
welchs meister hemmerlein wol gefelt,
das sich die welt so gar grewlich stelt.

Das thun die gemeinen, die grossen und auch die kleinen,
in langen hosen sind auffgeblasen,
des tages sie schlaffen, des nachtes sie wachen,
sie wüten und toben, gleich wie die nachtraben,
Und stürmen manchem man sein haus,
und schlagen jm thür und fenster aus,
daraus kömpt offt ein grosser straus.

Dis hab ich gemacht, zu gutem erdacht,
den jungen gesellen, die sich so stellen,
auch thu ich warnen, die handwercksknaben,
die handeln und wandeln, in frembden landen,
Das sie von solchem abelan,
und solcher narheit müssig gan,
sunst schlegt man jn hend und füsse lahm.

Es ist mir ein kleines waldvögelein

Es ist mir ein kleines waldvögelein
geflogen aus meiner hand,
es ist mir also fern entflogen,
ach Gott wem sol ichs klagen,
es fleuget dahin,
es fleuget dahin,
steht jm sein sinn,
in grünen wald nach speise.

Und da es ein klein wenig fürbas kam,
wol auff ein dürren ast,
da sassen der kleinen waldvögelein viel,
sie trugen groß neid und haß,
je lenger je baß,
je lenger je mehr,
trawr nit so sehr,
von grund aus meinem hertzen.

Und da es ein wenig fürbas kam,
wol auff ein grünen wald,
da hört er sein feins lieb lauten schlagen,
die seiten waren jr zersprungen,
es trawret so sehr,
es trawret so sehr,
je lenger je mehr,
von grund aus jrem hertzen.

Und da es ein wenig fürbas kam,
wol für jhr schlaffkämmerlein,
es klopffet also leise daran,
mit seinem goldschnebelein,
es klopffet daran,
es klopffet daran,
jhm ward nit auffgethan,
es ward nit eingelassen.

Und wenn ich dich eingelassen hett,
das wer mir jmmer ein schand,
wenn ander jungfrewlein kräntzlein tragen,
ein schleyerlein müst ich haben,
ich schemet mich sehr,
ich schemet mich sehr,
je lenger je mehr,
von grund aus meinem hertzen.

Was zeicht sich denn ein junger gesell
mit seinem geraden leib,
das er wil verzehren sein junge tag
mit einem alten weib,
das alte weib ist alt,
das alte weib ist alt,
ist ubel gestalt,
tregt neid und haß im hertzen.

Was zeicht sich denn ein junge magd
mit einem alten man,
das sie wil verzehren ihr junge tag
mit einem alten greiß,
der alt greiß ist alt,
der alt greiß ist alt,
ist ubel gestalt,
kann nimmer freundlich schertzen.

Wer ist nun der uns das liedlein sang,
so frey gesungen hat,
das hat gethan ein junger gesell,
zu Pamberg in der stadt,
so frey gesungen hat,
er hats gemacht,
gantz wohl betracht,
so frey hat ers gesungen,
er hats gemacht, etc.

So wünsch ich jr eine gute nacht

So wünsch ich jr eine gute nacht,
zu hundert tausent stunden,
Wenn ich die lieb erst recht betracht,
ist mir mein leid verschwunden.

Wenn ich sie ansich,
so erfrewet sie mich,
sie hat mein herz besessen,
drumm ich jr in dem hertzen hold bin,
und kan ir nit vergessen.

Ohn allen falsch wil ich doch sein,
bis an meins lebens ende,
Gegen der allerliebsten mein,
von der ich mich nicht wende.

Mit seufftzen klag, sich nacht und tag,
mein hertz nach jr thut krencken,
desgleich auch ich hoff, sie werd mich
in jr hertz lieblich sencken.

Mit kummer schwer

Mit kummer schwer, hat mich so sehr,
gar gros unglück umbgeben,
Was ich begin, hat keinen sinn,
thut mir alles widerstehn.
Es gehet vergebens, recht wie der krebs,
und hat kein sinn,
wo ichs wend hin,
mich wundert das ich noch frölich bin.

Wenn ich vertraw, und darauff baw,
in nöten mich zuverlassen,
Die seind so geschwind, wie ich befind,
mit untrew über massen.
Mein grosse unschuldt, mit schmertzen ichs duld,
es kompt ein zeit,
die mir freude geit,
wer weis wo mein glück noch steht.

Es hat wol ehe so sehr geregnet,
darnach so scheint die sonne,
Darumb ich nit vil darauff achten,
glück kan noch wider kommen,
Ob ich gleich jetzt, im unfal sitz,
was ligt mir daran,
der mir das nit gan,
der mus die gefahr noch selber bestahn.

Papirs natur ist rauschen

Papirs natur ist rauschen,
und rauschet wann es wil.
Man kans nicht wol vertauschen,
dann es stets rauschen wil.
Es rauscht an allen orten,
weil sein ein stücklein ist,
Deßgleichen die gelerten
rauschen ohn argen list.

Aus lumpen thut mans machen,
den edlen schreibern zart,
Es möcht wol jemands lachen,
fürwar ich dir nit leug.
Alt lumpen rein gewaschen,
darzu mans brauchen thut,
Hebt manchen aus der aschen,
der sonst leid grosse not.

Die dinten in der flaschen,
den edlen schreibern werd.
Offt füllt man jhn jhre taschen,
kein edler kunst auff erd.
Dann wann man so thut schmieren
papir mit dinten schon,
Daran thuns nicht verlieren,
und gibt jn guten lohn.

Die schreiber mus man haben,
sampt jhrem zeug und gunst:
Nach jnen thut man traben,
der schreiber ist die kunst.
Vorn schreiber mus sich biegen
offt mancher stoltzer heldt,
Und in ein winckel schmiegen,
wiewol es jm nit gefelt.

Das schreiben ist alleine
der allerhöchste schatz,
Ob mans gleich thut verkleinen,
doch behelts allein den platz.
Den glauben thuts erhalten,
macht guten fried im land,
Das sich thet sunst zwispalten,
all ander kunst sind tand.

Ein schreiber wil ich bleiben,
ein schreiber wil ich sein,
Und thus hiemit verschreiben
der allerliebsten mein.
Damit wil ichs beschliessen,
derselben lobesan,
Obs jemands würd verdriessen,
dem schreiber leit nichts dran.

Selig ist der tag

Selig ist der tag,
der mir dein liebe verkündiget hat,
der liebe Gott hat geholffen mir,
hertzallerliebste zu dir.

Schön bin ich nicht,
das weistu schöns lieb sicherlich,
doch seind wir einander von hertzen hold,
die liebe geht für silber und rotes gold.

Ob ich gleich jetzund scheid von dir,
und du hertz allerliebste von mir,
so weis ich doch das widerkommen macht,
das ich und du schöns lieb kein scheiden acht.

So halt dich steht und frey,
förcht Gott und bewar dein ehr dabey,
bis das der liebe Gott schickt die zeit,
die mich und dich schöns lieb in ehren zusammen bereit.

Und der uns dieses liedlein sang,
ein freyer buchdrucker ist ers genandt
er hats der allerliebsten zum newen jar gemacht,
alde schöns lieb zu tausent guter nacht.